Menschen bei BRANDAD Systems

Das E in CEO steht für Empowerment!

Susann Mürling wird Chief Empowerment Officer bei BRANDAD Systems

Susann Mürling
06. April 2021

geschrieben von:

In den 30 DAX-Unternehmen ist lediglich jeder achte Vorstandsposten von einer Frau besetzt. Der deutschen Mittelstand steht zwar geringfügig besser da, aber mit einem Männer-zu-Frauen-Verhältnis von 4:1 ist die Geschlechterverteilung auch hier recht unausgeglichen. Während Deutschland noch diskutiert, ob Firmenvorstände per Quotenregelung zu Diversität gezwungen werden, beruft BRANDAD Systems Susann Mürling zum „agile CEO" (aCEO). Ein kleiner Lichtblick für den Unternehmensstandort Deutschland – wer Susann aber auf ihr Geschlecht reduziert, unterschätzt nicht nur sie, sondern auch uns. Das findet zumindest BRANDAD-Systems-Autor Jürgen Krauß.

Frauenquote vs. natürliche Diversität

Ich glaube nicht an von oben diktierte Quotenregelungen und auch nicht an Gleichbehandlung unter Strafandrohung. Vielmehr glaube ich an natürliche Diversität. Daran, dass Leistung und Motivation ausschlaggebender sind als starre Hierarchie­gefüge und Beförderungen nach dem Peter-Prinzip. Konsequenterweise ist es die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, und einen einmal eingeschlagenen Kurs regelmäßig zu hinterfragen, was Menschen wie Susann Mürling zu ausgezeichnetem Vorstandsmaterial macht. „Das E in CEO steht bei mir für Empowerment“, sagt sie über sich selbst – und als Chief Empowerment Officer wirken ihre Energie-Ressourcen schier unerschöpflich, wenn es darum geht, die richtigen Menschen in Projekten zusammenzubringen und individuelle Talente zu fördern.  

Ein „Das haben wir aber schon immer so gemacht“ wird man wohl nie aus ihrem Munde hören, ein „Das sollten wir unbedingt mal ausprobieren“ dafür mehrmals täglich – und mit genau diesem Spirit soll Susann das Unternehmen als aCEO langfristig voranbringen.

Versteht mich bitte nicht falsch: Die Diskussion, die derzeit medienwirksam um die Frauenquote geführt wird, ist immens wichtig! Solange Deutschland nicht bereit ist, Geschlechtervorurteile abzustreifen, faire Behandlung aller als Grundvoraussetzung unseres Miteinanders zu verinnerlichen und Familien nicht mehr länger als Gegenteil von Karriere abzustempeln, so lange sollten – nein, müssen! – wir den Diskurs weiterführen. Enthusiastisch und öffentlichkeitswirksam. Vorurteilsfrei und wertschätzend. Frauen wie Susann sind keine Quotenfrauen. Keine Maßnahmen für eine „schönere“ Statistik. Sie sind die hierzulande manchmal schmerzlich fehlende Diversität … und in Susanns speziellem Fall auch ein unerschöpflicher Vorrat an guter Laune.

Die neue Doppelspitze

BRANDAD wird zukünftig gleichberechtigt von Susann Mürling und Joachim Stelzer geführt, mit all den Vor- und Nachteilen, die eine solche Doppelspitze mit sich bringt: Ihr kennt die Geschichte mit den vielen Köchen? Wir jedoch versprechen uns von doppelt so vielen CEOs keinen verdorbenen Brei, sondern mehr Fokus auf wirklich relevante Themen – und ultimativ mehr Schnelligkeit und Agilität in unseren strategischen Entscheidungen. Mit mehreren Menschen in Leitungsfunktion steigt dabei auch die Wahrscheinlichkeit von Konflikten. Wir halten uns dabei an das Prinzip „Wir müssen uns nicht immer einig sein“ und begrüßen Konflikte als Chance auf Entwicklung: Sie bedeuten, dass mehrere Ansichten zu einem Thema diskutiert werden; und sie bedeuten, dass Entscheidungen herausgefordert, um dann verworfen oder mit noch mehr Entschlossenheit getroffen zu werden. Nicht um hinterher sagen zu können: „Ha! Habe ich doch gleich gesagt!“. Sondern um hinterher sagen zu können: „Wir haben das Problem aus unterschiedlichen Winkeln betrachtet und uns nach reiflicher Überlegung für einen Weg entschieden – und egal wie es ausgeht, wir lernen daraus.“ Wer sich schon länger mit Agilität beschäftigt, erkennt die Nähe zum Prime Directive, die auch uns als Leitbild für den Umgang miteinander und vor allem auch mit Misserfolgen dient.

Was bisher geschah: 

Susann Mürling hat vor mehr als zehn Jahren bei BRANDAD Systems als IT-Projektmanagerin angefangen und sich von dort aus ihren Weg bis in den Vorstand gebahnt. Mit ansteckendem Optimismus. Mit einer beneidenswerten Mischung aus Zielstrebigkeit und Unverbissenheit. Und mit einer zwölfmonatigen Auszeit, um sich Inspiration in fremden Kulturen zu holen und Kraft mit der Familie zu tanken. Angeregt durch die Debatte um #StayOnBoard haben wir uns seinerzeit bewusst entschieden, das als Option mit in unseren Vorstandsvertrag aufzunehmen. Wo sich anderswo Frauen oft die Frage „Karriere oder Kinder“ stellen müssen, wollten wir uns auf die viel wesentlicheren Fragen konzentrieren. Drei davon beantwortet Susann im Gespräch um Visionen, Ideen und Leidenschaften:

Susann, wie führst du, wofür brennst du und wo findest du Inspiration?

„Hui, das sind aber viele Dinge auf einmal! Was mich hauptsächlich antreibt, ist meine Neugier: Schon als kleines Mädchen wollte ich unbedingt wissen, was es jenseits meines Kindertellerrandes noch so alles gibt. Der einzige Unterschied zu heute ist das fehlende Raumschiff auf dem Porzellan - oder auch nicht. Beruflich will ich mich mit Leuten umgeben, denen es genauso geht. Dass wir aber mit Leidenschaft unserer unbändigen Neugier nachgehen können, dafür brauchen wir Strukturen, die uns die entsprechenden Freiheiten lassen: Ein spannendes und herausforderndes Arbeitsumfeld ist dazu ebenso notwendig wie der inspirierende Austausch mit den unterschiedlichsten Menschen. Das I-Tüpfelchen ist die Möglichkeit Produkte zu entwickeln die uns von frustrierenden, sich wiederholenden, Tätigkeiten befreien – ein hoch auf Automatisierungen. Stimmen all diese Voraussetzungen, so entstehen fast von selbst Zeit und Raum, um unsere Kreativität zu entfalten.

Oder andersherum: Das Schlimmste für mich ist, wenn ich im Autopilot feststecke und ein Tag einfach so an mir vorbeizieht – puff! Ihr kennt ja sicher das Phänomen, wenn man morgens an der Ampel steht und sich an die letzten 15 Kilometer nicht mehr recht erinnern kann. Klar ist dieser Automatikmodus wichtig und manchmal bin ich echt froh, dass ich ihn habe. Ein Tag ist aber dann inspirierend, wenn ich es bewusst schaffe, den Autopiloten abzuschalten und vollends im Hier und Jetzt zu sein. Das ist dann wohl auch mein Führungsstil: Ich will meine Inspiration teilen und Menschen dadurch motivieren, ihr Leben und ihren Arbeitsalltag ebenfalls inspiriert zu gestalten.“

Wie stellst du sicher, dass zwei CEOs zu mehr Agilität und Schnelligkeit führen und nicht zu mehr Konflikten und verlängerten Entscheidungsprozessen?

„Gar nicht! Meiner Meinung nach ist das keine Entweder-oder-Frage. Vielmehr werden Agilität und Schnelligkeit durch Konflikte noch gefördert: Konflikte geben uns die Chance, Ideen schnell aufzugreifen, zu testen, zu diskutieren – und diese dann mit bewusst getroffenen Entscheidungen entweder abzuhärten und weiterzutreiben oder sie zu verwerfen. Als Duo fordern Joachim und ich uns gegenseitig heraus, treten uns aber auch mal in den Hintern, falls das notwendig sein sollte. Wir sind Sparringspartner, extrinsische Motivationsverstärker, Spiegel. Wir steigen auf Augenhöhe miteinander in den Ring, wo CEOs sonst ja fast ausschließlich mit Menschen zu tun haben, denen gegenüber sie am längeren Hebel sitzen. Selbst wenn ein oder eine CEO von diesem Hebel keinen Gebrauch macht, so beeinflusst er die Menschen um sie herum dennoch.“

Was ist deine Botschaft an deine Kolleginnen und Kollegen – und an die Welt da draußen?

„Nehmt eure Leben in die Hand! Jaja, das mag nach einer ganz abgedroschenen Plattitüde klingen, aber ich habe in der Vergangenheit (gerade im Arbeitskontext) schon viel zu oft Menschen erlebt, die sich in eine Opferrolle drängen lassen – oder schlimmer noch: sich freiwillig selbst in eine Opferrolle drängen. Klar ist meckern einfacher als selbst aktiv zu werden, aber so richtig glücklich macht uns das in der Regel ja nicht. Deshalb: Entscheidet euch bewusst dazu, die Welt positiv zu beeinflussen. Ihr könnt dann ja immer noch scheitern … aber wenigstens in dem ruhigen Gewissen, dass ihr nicht faul oder feige wart.“

Wie gehst du mit Erwartungshaltung um – zum Beispiel, wenn man nur drei Fragen erwartet, dann aber eine vierte gestellt wird?

„Erwartungshaltungen gibt es immer und immer auch in mehr als eine Richtung: Ich erwarte beispielsweise, dass ich in meiner neuen Position das Unternehmen mitsamt den Menschen positiv beeinflussen kann. Und dass ich dabei auf Unterstützung sowie den notwendigen Rückhalt zählen kann. Auf der anderen Seite erwartet meine Umgebung auch einiges von mir. Ganz egal, wie diese Erwartungen aber konkret aussehen, ist es immens wichtig, dass wir sie transparent kommunizieren. Kaum etwas ist demotivierender als darauf zu warten, dass Menschen bestimmte Dinge tun, ohne dass wir mit denjenigen über unsere Erwartungshaltung sprechen. Jedoch ist es nicht mein Ziel allen Erwartungen gerecht zu werden – ganz im Gegenteil – mein Ziel ist es den echten Bedarf zu identifizieren. Ein Glück, dass wir mit den Team-Coaches bei BRANDAD solche Situationen gezielt aufdecken und angehen. Künstliche Harmonie fühlt sich nur solange gut an, bis wir realisieren, dass sie uns nicht voranbringt …

Lasst uns doch am besten so verbleiben (und das gilt für alle, die das lesen): Ihr sprecht mich gezielt an, wann immer ihr etwas von mir erwartet – und ich werde es dafür umgekehrt genauso machen. Deal?“

06. April 2021

geschrieben von:

Jürgen Krauß
Jürgen Kauß

Über die Autorin oder den Autor:

Als Texter, Podcaster und Online-Marketer findet man Jürgen sowohl vor als auch hinter den Kulissen, wenn es um unsere Außenkommunikation geht. Der Beinahe-Digital-Native treibt außerdem die Themen Personal Branding und Corporate Influencing voran. Mehr über Jürgen.